Warum Projektzeiterfassung mehr leistet als eine Stechuhr
von Alexander Huber
Wenn über Zeiterfassung gesprochen wird, denken viele immer noch an die Stechuhr: eine Karte, ein Pieps, fertig. In unserer Arbeitswelt, die hybrid, mobil und wissensintensiv geworden ist, führt diese Gleichsetzung schlichtweg in die Irre.
Für Unternehmen, die Projekte bzw. Leistungen verkaufen und Ergebnisse liefern, ist Projektzeiterfassung kein ‘nice to have’, sondern der Motor für Transparenz, Abrechnungssicherheit, Steuerbarkeit und Wachstum. In diesem Beitrag versuchen wir aus unserer Erfahrung heraus nüchtern zu erklären, warum die Stechuhr ihren Platz hat, aber die digitale Zeiterfassung mit Projektbezug den Unterschied macht und wie time cockpit das praktisch löst.
ℹ️ Lese-Tipp: Wie stark der Kontext zählt, zeigen Kennzahlen aus der Projektzeiterfassung, etwa Auslastung, Verrechnungsgrad oder Deckungsbeiträge. Einen Überblick liefert etwa unser Beitrag zu wichtigen Kennzahlen aus Projektzeiterfassungsdaten.
Was die Stechuhr kann und wo sie an Grenzen stößt
Historisch wurde die Stechuhr für Fertigung, Schichtarbeit und Präsenzkontrolle gebaut. Sie dokumentiert Beginn, Ende und Pausen. Für Lohnabrechnung im Stundenmodell ist das solide. Doch in projektorientierten Umgebungen ohne festen Ort und mit wechselnden Aufgaben fehlt der Kontext: Wofür sind die Stunden entstanden, welcher Kunde, welche Aufgabe, war die Zeit abrechenbar?
Genau hier setzt digitale Zeiterfassung mit Projektbezug an.
Warum die Stechuhr für Projektarbeit nicht reicht
Ein Projekt braucht Antworten, die eine Stechuhr nicht liefern kann. Ohne Projektzeiterfassung bleibt Projektcontrolling blind, Nachkalkulation wird zum Ratespiel und Abrechnungssicherheit hängt vom Gedächtnis einzelner ab. Wer nur Anwesenheit misst, kann Nutzen, Qualität und Wirtschaftlichkeit kaum belegen, ganz zu schweigen vom Leistungsnachweis gegenüber dem Kunden.
Was moderne Zeiterfassung leisten muss
Moderne Projektzeiterfassung beantwortet nicht nur „wie lange?“, sondern vor allem „woran?“. Sie ordnet Arbeitszeit Projekten, Aufgaben und Aufwandstypen zu, unterscheidet abrechenbar versus intern und liefert damit die Grundlage für Projektcontrolling, Nachkalkulation und vorausschauende Auslastungsplanung. Sie funktioniert überall: im Büro, unterwegs, beim Kunden, im Homeoffice , also dort, wo Hybrid Work gelebter Alltag ist. Eine stationäre Stechuhr am Eingang hilft da wenig; eine digitale Zeiterfassung mit Apps und Webzugang schon. Und sie verknüpft Zeit mit Wert: Budgetverbrauch, Fortschritt, Risiken. So entstehen Frühwarnsignale und ein belastbarer Leistungsnachweis, die Basis für transparente Kundengespräche und planbare Margen.
Wenn wir heute von Hybrid Work sprechen, meinen wir nicht einfach nur „ein bisschen Homeoffice“. In der Forschung wird Hybrid Work als Arbeitsmodell mit flexiblen Arbeitsorten beschrieben, das Präsenzarbeit, Homeoffice und andere mobile Arbeitsformen kombiniert und bewusst organisiert werden muss (vgl. MDPI, Administrative Sciences).
Entscheidend ist dabei: Hybrid Work ist weniger eine Ortsfrage als eine Organisationsfrage. Studien zeigen, dass hybride Arbeitsmodelle vor allem neue Anforderungen an Zusammenarbeit, Kommunikation und Koordination stellen. Arbeit findet häufiger verteilt und asynchron statt, Abstimmungen verlagern sich in digitale Werkzeuge wie Kalender, Ticketsysteme, Chats und virtuelle Meetings (vgl. SpringerLink).
Diese organisatorischen Veränderungen wirken sich unmittelbar auf die Erfassung und Bewertung von Arbeit aus. Durch hybride Arbeitsformen fallen Anwesenheit und Leistung seltener zusammen, der Kontext zwischen Projekten, Aufgaben und Tätigkeiten wechselt häufiger, und ohne klare Zuordnung entstehen schnell Unklarheiten bei Budgetierung, Abrechnung und Leistungsnachweisen (vgl. SpringerLink).
Unser Ansatz: Zeiterfassung, die zur Arbeit passt
Gerade in hybriden und wissensintensiven Arbeitsformen ist es schwierig, alle Tätigkeiten im Blick zu behalten und vollständig zu erfassen. Viele Aufgaben entstehen verteilt über den Tag, wechseln häufig den Kontext und lassen sich im Nachhinein nur schwer rekonstruieren. Genau hier setzt Activity Tracking an.
Der Activity Tracker funktioniert dabei wie ein digitaler Assistent, der im Hintergrund automatisch mitläuft und den Arbeitstag strukturiert begleitet. Er sammelt lokale Aktivitäten und stellt sie übersichtlich als persönliches Aktivitätslog bereit – ausschließlich als Gedächtnisstütze für die spätere Zeitbuchung.
Time cockpit stellt die Daten die vom Activity Tracker gesammelt wurden grafisch im Zeiterfassungskalender dar (z.B. geöffnete Dateien/Fenster/Applikationen Kalender, E-Mails etc.) und hilft beim Erinnern: „Was habe ich heute eigentlich alles gemacht?“ Der Mensch entscheidet, was er bucht. Das ist keine Überwachung, sondern eine Arbeitserleichterung, die lückenlose Projektzeiterfassung möglich macht.
Besonderer Fokus liegt dabei auf Sicherheit und Privatsphäre: Das Aktivitätslog wird verschlüsselt gespeichert und ist hochsicher ausschließlich für die jeweilige Person selbst einsehbar. Es findet keine automatische Übermittlung an Vorgesetzte oder Dritte statt – volle Kontrolle und Transparenz bleiben jederzeit beim Nutzer.
ℹ️ Hinweis: Für das Activity Tracking ist eine separate Komponente erforderlich, die lokal auf dem jeweiligen Gerät installiert wird. Erst diese installierte Anwendung ermöglicht das automatische Erfassen der Aktivitäten und stellt das persönliche, verschlüsselte Aktivitätslog bereit. Siehe dazu unsere Dokumentation.
Projekt- und Aufgabenbezug statt reine Präsenz
Jede Zeit bekommt Kontext: Projekt → Tätigkeit → Aufgabe → Aufwandstyp. Das sorgt für saubere Abrechnungen und macht Nachkalkulation realistisch. Gleichzeitig bleibt digitale Zeiterfassung schnell: Musterbuchungen, moderner Kalender mit Shortcuts und modernen Interaktionsparadigmen, mobile Erfassung. Wer Ergebnisse verkauft, braucht mehr als eine Stechuhr.
Feingranulare Auswertungen, die Entscheidungen tragen
Mit Berichten auf Projekt- und Task-Ebene liefert Projektzeiterfassung die Kennzahlen, die Führungskräfte wirklich brauchen: Verrechnungsgrad, Deckungsbeitrag, Plan-Ist-Abweichungen, Forecasts.
Lesetipp: Welche Kennzahlen Projektzeiterfassung wirklich aussagekräftig machen, von Verrechnungsgrad über Deckungsbeitrag bis zu Plan-Ist-Abweichungen und Forecasts, zeigt dieser Beitrag im Detail:
👉 Wichtige Kennzahlen aus Projektzeiterfassungsdaten
Zukunftssicher: Compliance ohne Bürokratie
Ob EU-Vorgaben oder nationale Regeln: Eine digitale Zeiterfassung schafft verlässliche Daten und automatische Prüfungen, damit Arbeitszeiten, Pausen und Zuschläge eingehalten werden. Für Führungsteams heißt das: weniger Diskussion, mehr Evidenz und ein Leistungsnachweis, der Rechnungen, Audits und Projektcontrolling gleichermaßen trägt.
Klar ist: In der Europäischen Union ist eine Zeiterfassungspflicht gesetzlich verankert: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat klargestellt, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, ein objektives, verlässliches und zugängliches System zur Erfassung der täglichen Arbeitszeit einzurichten. Auch in Österreich besteht diese Pflicht, wie in diesem Beitrag erläutert wird: Arbeitszeiterfassungspflicht in Österreich. Digitale Systeme erfüllen diese Vorgaben automatisch und reduzieren gleichzeitig den Verwaltungsaufwand.
Wo die Stechuhr glänzt
Die Stechuhr bleibt nützlich in Schichtbetrieben, Produktion und Zutrittssystemen: einfach, robust, kostengünstig. Wer Anwesenheit verwalten muss, bekommt ein Basissystem. Für projektorientierte Unternehmen mit Beratung, Entwicklung oder Kreation reicht das jedoch nicht: Dort entscheidet Projektzeiterfassung über Planbarkeit, Margen und Wachstum. Eine moderne digitale Zeiterfassung kann Zutritt und Projekte verbinden, muss aber nicht.
Eine Stechuhr liefert nicht nur Informationen zur Arbeitszeit, sondern implizit auch zur Anwesenheit von Personen im Gebäude oder auf dem Betriebsgelände – sie zeigt, wer da ist und wer nicht. Das ist für Unternehmen nicht nur organisatorisch relevant, sondern auch aus Sicherheits- und Notfallperspektive ein Vorteil: Im Brand- oder Evakuierungsfall lässt sich schneller feststellen, ob sich noch Personen im Gebäude befinden, was die Koordination mit Einsatz- und Rettungskräften erleichtert und Teil der betrieblichen Fürsorgepflicht ist. Gerade größere Unternehmen setzen deshalb nach wie vor auf Stempel- oder Zeiterfassungsterminals, insbesondere wenn sie sowohl Produktionsmitarbeiter:innen als auch White-Collar-Worker beschäftigen.
In solchen Organisationen gibt es häufig interne IT- oder Verwaltungsabteilungen, deren Zeiten nicht an externe Kund:innen verrechnet werden; hier dienen die Daten aus der Stechuhr primär als Grundlage für die Lohn- und Gehaltsabrechnung. Gleichzeitig reicht dieses Modell in vielen Fällen nicht aus: Müssen Unternehmen zusätzlich eine interne Leistungsverrechnung durchführen – etwa zwischen Abteilungen, Kostenstellen oder internen Projekten – greift die reine Anwesenheitserfassung zu kurz, weil sie keinen Aufschluss darüber gibt, wofür die Zeit tatsächlich verwendet wurde. Dafür ist eine Projekt- oder Leistungszeiterfassung notwendig (siehe: Projektzeiterfassung meets interne Leistungsverrechnung).
ℹ️ Einige unserer Kunden entscheiden sich daher für einen hybriden Ansatz: Sie erfassen ihre Zeiten lückenlos in time cockpit (Projektzeit entspricht Anwesenheit), importieren zusätzlich die Daten aus dem Zeiterfassungsterminal und stellen so sicher, dass sowohl die vollständige Anwesenheit als auch die inhaltliche Zuordnung der Arbeitszeit korrekt abgebildet sind.
Vom Stempeln zum Steuern – der Weg dorthin
Wichtig vorab: Wenn Projekt- und Anwesenheitszeiterfassung über ein einziges System abgebildet werden sollen, gilt die Grundregel „Projektzeit = Arbeitszeit“. Das setzt voraus, dass lückenlos gebucht wird. „Projekt“ meint dabei nicht nur Kunden- oder abrechenbare Projekte, sondern auch interne Tätigkeiten wie Administration, Marketing, HR oder interne IT – jeweils als eigene interne Projekte. Entstehen Buchungslücken, werden diese systemisch als nicht gearbeitete Zeit interpretiert. Genau deshalb ist Vollständigkeit keine Detailfrage, sondern die Grundlage dieses Ansatzes.
Auf dieser Grundlage gelingt der Umstieg, wenn der Kontext zuerst steht und die Technik ihm folgt. Definieren Sie eine Projektstruktur (Projekt → Tätigkeit → Aufgabe → Aufwandstyp) und legen Sie fest, was als abrechenbar gilt, welche Budgets überwacht werden und welche Kennzahlen Ihr Projektcontrolling wirklich braucht (z. B. Verrechnungsgrad, Plan-Ist-Abweichungen, Forecast). Richten Sie anschließend Rollen und Rechte so ein, dass interne wie externe Mitarbeitende genau das sehen und buchen, was sie sollen – nicht mehr, nicht weniger. Für Hybrid-Work-Szenarien kombinieren Sie schnelle Erfassung (browserbasiert und grafisch) mit Activity Tracking als Gedächtnisstütze, ohne Überwachung: Vorschläge helfen, der Mensch entscheidet. So wird aus Zeiterfassung ein Steuerungsinstrument – transparent, rechtssicher und akzeptiert.
Fazit: Weg von Präsenz, hin zu Kontext
Die Stechuhr ist nicht falsch nur zu grob für Arbeit, die in Projekten Wert schafft. Projektzeiterfassung liefert Kontext, Abrechnungssicherheit und Steuerbarkeit, macht Budgets vorausschauend und Teams belastbar, und Auslastungsplanung sauber steuerbar. Oder kurz: Ohne Daten kein Vertrauen, ohne Kontext keine Steuerung. Wer jetzt von Präsenz zu Kontext wechselt, verschafft sich einen Vorsprung.
Auf einen Blick
Der erfolgreiche Umstieg von reiner Anwesenheitserfassung zur Projektzeiterfassung erfordert eine strukturierte Vorgehensweise. Die folgende Übersicht zeigt die wesentlichen Schritte vom Konzept bis zum produktiven Einsatz – mit besonderem Fokus auf die zentrale Grundregel „Projektzeit = Arbeitszeit”, die lückenlose Buchung voraussetzt.
| Phase | Maßnahme | Wesentliche Inhalte |
|---|---|---|
| Grundregel | Projektzeit = Arbeitszeit | Lückenlose Buchung erforderlich; alle Tätigkeiten (auch Administration, Marketing, HR, IT) als interne Projekte erfassen |
| Projektstruktur | Projektstruktur definieren | Hierarchie: Projekt → Tätigkeit → Aufgabe → Aufwandstyp |
| Controlling | KPIs & Budgets festlegen | Abrechenbarkeit definieren, Budgetüberwachung, Kennzahlen (Verrechnungsgrad, Plan-Ist-Abweichungen, Forecast) |
| Berechtigungen | Rollen & Rechte einrichten | Mitarbeitende (intern/extern) sehen und buchen nur relevante Projekte |
| Erfassung | Tools für Hybrid Work | Mobile/Browserbasierte App, Activity Tracking als Gedächtnisstütze (ohne Überwachung) |
| Testbetrieb | Iterative Optimierung | Reale Projekte testen, Felder/Masken nachschärfen, Exporte/API prüfen, Dashboards kalibrieren |